Sigrid Lichtenberger (2005):
Mein Ich im Gefüge der Zeit. Jung sein in den Jahren 1923 bis 1945
Bielefeld: Pendragon
In dem Buch „Mein Ich im Gefüge der Zeit. Jung sein in den Jahren 1923 bis 1945“ erzählt Sigrid Lichtenberger in ausdrucksstarker und bildreicher Art über ihre Kindheit und Jugend in Leipzig zu Kriegszeiten, denn sie „(…) muss schreiben, was war, um zu wissen, was heute ist.“ Die Schriftstellerin wurde 1923 in Leipzig geboren, wo sie bis 1948 lebte. Auf Umwegen kam sie 1953 nach Bielefeld, wo sie heute lebt und arbeitet. Im Projekt „Alter und Trauma“ wirkte sie als Erzählerin im ersten Erzählcafé in Bielefeld mit.
Ihr erstes Buch veröffentlichte sie erst mit 60 Jahren. Seitdem sind über 20 Publikationen hinzugekommen. Die Kurzgeschichten, autobiographischen Texte und Gedichte tragen so poetische Titel wie „Ohne Gestern kein heute“, „Am Bahnsteig entgleist die Zeit“ oder „Jeder ist anders anders“. Ihre „Gedichte in unruhigen Zeiten“ regen zum Nachdenken an. Sie erheitern und klingen nach.
Mit Genehmigung der Autorin dürfen wir eines der Gedichte abdrucken:
Erinnern
Wiederkehrende Erinnerung
beim Ton der Sirene
auf und ab
Heulen und Zähneklappern
Unter Trümmern begraben
Klopfzeichen
Noch immer sind die Häuser
nicht sicher
noch immer heult der Ton
auf und ab
noch immer blüht der Kirschbaum
fällt Staub
auf mein Haar
Glassplitter
Feuerflammen
beim Ton
auf und ab
Wiederkehrende Erinnerungen
niemand hält den Schritt
an
niemand fragt nach
aus: Sigrid Lichtenberger (2003): Gedichte in unruhigen Zeiten. Bielefeld: Pendragon, S.30. Der Gedichtband ist nur noch antiquarisch bzw. über das Internet erhältlich.